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In Riace sind nur fünf Migrantenfamilien geblieben. Der Spielplatz am Eingang des Dorfes ist still und leer, Kita und Schule wurden geschlossen. Die übrig gebliebenen Kinder müssen mit dem Bus nach Riace Marina fahren, dem Teil des Gemeindegebiets, der an der Küste liegt. Damit seine fünf Kinder zur Schule fahren können, zahle er 164 € monatlich für den Bus, sagt Osman. Woher soll das Geld jetzt kommen? Osman stammt aus Somalia und lebte in Libyen, als 2011 die Bomben der NATO auf Misrata fielen. Dann floh er mit seiner Familie auf einem Frachter, der sonst Tiere transportierte, über das Mittelmeer nach Europa. Wie alle seine Nachbarn, sagt er.

Seitdem Domenico Lucano weg ist, hat Osman keine Arbeit. Der Bürgermeister sorgte dafür, dass er mal diesen mal jenen Job bekam. Dass alle Arbeit hatten in Riace, wenn auch nur gelegentlich. Es war genug, um im Dorf über die Runden zu kommen. Jetzt gibt es keine Jobs mehr in Riace, alles hat zugemacht. Werkstätten, Läden, Bars. In den Gassen hört man die eigenen Schritte widerhallen. Wer noch nicht weggezogen ist oder in ein Aufnahmelager gebracht wurde, hofft, dass Domenico Lucano zurückkommt. Migranten und Einheimische – sie warten auf den Bürgermeister wie auf den Messias.