Features, Hintergrund

Venedigs Bootskultur 

Die Geschichte Venedigs war von Anfang an untrennbar mit Booten und Schiffen
verbunden. Für die zahllosen Kanäle der Serenissima und die sie umgebende Lagune entwickelten Venezianer spezielle Typen von Ruderbooten, von denen die Gondel der bekannteste noch gebräuchliche ist. Seit den 60er-Jahren wurden die Ruderfahrzeuge mehr und mehr durch Motorboote ersetzt. Die übernehmen heute die komplizierte Logistik dieser Stadt im Wasser – von der Feuerwehr bis zur Müllabfuhr. Immer weniger Handwerker beherrschen den kunstvollen, traditionellen Bootsbau. Doch der Wellenschlag, den Tausende Motorboote produzieren, greift Fundamente an und droht, die oft Jahrhunderte alten Bauten Venedigs zu zerstören.

SWR 2 Wissen, 22.03.2019

 

Das schwarze Gold der Basilikata

Die Basilikata ist eine der ärmsten Regionen Italiens. Doch im Boden des Agri-Tals lagert das größte Erdölvorkommen Kontinentaleuropas. Ölindustrie und Politik versprachen Arbeitsplätze und Wohlstand. Stattdessen kamen Korruption und Umweltkatastrophen. Und die Menschen sterben deutlich früher als anderswo.

Das Agri-Tal könnte eine Idylle sein. Eichen, Birken und Ginster säumen die Landstraßen, Obstbäume die Felder und Weinberge. Doch Luft, Böden und Gewässer sind verseucht. Über Jahre versickerten mindestens 400 Tonnen Rohöl aus einem ölverarbeitenden Betrieb in den Boden und den Fluss Agri.

Ein Netzwerk aus korrupten Managern und lokalen Beamten sorgte jahrelang dafür, dass Umweltauflagen umgangen wurden. Filteranlagen waren defekt, giftige Schlacken wurden umdeklariert und als harmlose Abfälle billig entsorgt. Die Menschen im Tal leiden unter Atemwegserkrankungen und Herz-Kreislaufproblemen. Landwirtschaft und Viehzucht, einst die Hauptwirtschaftszweige der Region, mussten vielerorts eingestellt werden. Und die Jugend wandert wieder aus.

Seit November 2017 stehen die Verantwortlichen für den Umweltskandal vor Gericht. Die Ölförderung geht weiter, als wäre nichts geschehen. Vom Gewinn aus 30 Jahren Erdölförderung ist kaum etwas in der Region geblieben.

DLF 26.06.2018

 

Der Fall Aldo Moro. Wie ein politischer Mord Italien veränderte

Am 16. März 1978 entführten Terroristen der „Roten Brigaden“ den italienischen Staatsmann Aldo Moro und ermordeten ihn nach 55 Tagen Geiselhaft. Sie übernahmen die alleinige Verantwortung für das Verbrechen, doch von Anfang an regten sich Zweifel. Denn die Politik Moros, der die Kommunistische Partei Italiens in eine Große Koalition einbinden wollte, war italienischen und US-amerikanischen Konservativen ein Dorn im Auge – wie auch den europäischen NATO-Verbündeten, den Israelis und sogar Sowjetbonzen. Der zweite Untersuchungsausschuss zu dem Fall kam zu dem Schluss, dass all diese Mächte die Mörder zwar nicht direkt gelenkt haben, sie aber doch zumindest gewähren ließen.

SWR 2, 8.5.2018, 8:30 Uhr

 

Töten für die Revolution. Oder auch nicht

Vor exakt vierzig Jahren wurde der italienische Politiker Aldo Moro, Vorsitzender der Democrazia Cristiana, entführt – und dann ermordet. Mit Folgen bis heute.

Er war auf dem Weg zum Parlament, als die Brigate Rosse zuschlugen, alle Leibwächter töteten und Aldo Moro entführten. Bis zum Tag seiner Ermordung, dem 9. Mai, blieb Aldo Moro in Gefangenschaft der Brigate Rosse, versuchte zu verhandeln, versuchte, seinen beträchtlichen politischen Einfluss auszunützen. Vergeblich.

Die Brigate Rosse hatten ihr Ziel erreicht, den historischen Kompromiss, der sich anbahnte, das Zusammengehen der Kommunisten und der Christdemokraten, zu zerschlagen. Eine Zeitenwende, die Italien bis heute prägt.

SRF2 16.03.2018

 

Italienerinnen im Widerstand

Tausende Frauen engagierten sich in der Resistenza
Von Aureliana Sorrento

Etwa 80.000 Frauen nahmen an der Resistenza, dem antifaschistischen Widerstandskampf in Italien, teil. Nicht nur versteckten sie Partisanen, versorgten sie mit Kleidung und Nahrung und pflegten Verletzte. Sie überbrachten auch Botschaften und Waffen an die Widerstandsbrigaden in den Bergen und versteckten Widerstandskämpfer in den Städten. 3.500 Frauen kämpften mit Waffen an der Seite der Männer.
Nach dem Krieg ließen sich die Partisaninnen nicht aus der Politik wegdrängen, sondern setzten sich für die Emanzipation der Frau in der männerdominierten italienischen Gesellschaft ein.

kulturradio rbb, 28.11.2017

 

Das Mobile User Objective System

So heißt das neue Satellitenkommunikationssystem der US Navy. Es besteht aus fünf Satelliten, die mit vier Bodenstationen verbunden sind, und wird die Kommando- und Kontrollzentralen der US-Streitkräfte weltweit und 18.000 militärische Radioterminals miteinander verbinden – bei der zehnfachen Übertragungskapazität des Vorgänger-Systems. Damit soll unter anderem die Lenkung und Kontrolle von Drohnen verbessert werden. Eine Bodenstation befindet sich in Wahiawa, Hawaii, eine andere in Chesapeake, Virginia, eine dritte in Kojarena, Australien, die vierte bei Niscemi auf Sizilien. Diese liegt auf einem Gelände, das zum Teil als Naturschutzgebiet ausgewiesen ist. Für den Ausbau der Station wurde einer der letzten Korkwälder Europas, die Sughereta, abgeholzt. Die Satellitenschüsseln des Systems sind jedoch nicht nur für die Feinde der USA gefährlich. Ihre elektromagnetische Strahlung kann auch der Gesundheit der Menschen, die in ihrer Nähe leben, und der Umwelt schaden. Das hat die Bevölkerung Niscemis in den vergangenen Jahren auf die Barrikaden gebracht. Aus ihrem Widerstand ist die No MUOS Bewegung entstanden, die den Bau der Station nicht verhindern konnte, aber nun für ihre Ausschaltung kämpft. Sie ist zu einer Friedensbewegung gewachsen, die sich gegen die Militarisierung Siziliens durch US- und Nato-Basen wehrt.

WDR 5, 30.08.2017

SRF 2, 25.09.2017

 

Die italienischen Partisanen, Hüter der Verfassung. SWR2, 2017

Im Dezember 2016 haben die Italiener die von der Regierung Renzi vorgeschlagene Verfassungsreform in einem Referendum abgeschmettert. Das ist sicherlich auch der Organisation der italienischen Partisanen zu verdanken, die an der Kampagne gegen die Reform maßgeblich beteiligt war. Die noch lebenden Partisanen halten es für ihre Pflicht, die Verfassung Italiens, die aus dem antifaschistischen Widerstandskampf hervorgegangen ist, zu verteidigen. Nicht zufällig ist sie die progressivste Verfassung Europas. Denn die Mehrheit der italienischen Partisanen waren Kommunisten, Sozialisten, und Mitglieder der Brigaden „Gerechtigkeit und Freiheit“. Sie kämpften nicht nur für die Demokratie, sondern auch für ein gerechteres Land. Eine Hoffnung, die sich aus ihrer Sicht nicht erfüllte.

hören

 

Was zählt, sind Taten. SWR2, 2017

Ungefähr 80.000 Italienerinnen nahmen am antifaschistischen Widerstand teil. Lidia Menapace war Leutnant in der Resistenza, sie transportierte Sprengstoff und überbrachte Befehle von den Partisanenführern zu den Brigaden. Maria Lisa Cinciari Rodano agitierte schon im Gymnasium gegen den Faschismus, später organisierte sie aus dem Untergrund Demonstrationen. Luciana Romoli diente als Kurierin in Rom. Nach dem Krieg kämpften sie weiter für die Rechte der Frauen. Der Faschismus hatte der Frauenbewegung ein Ende gesetzt, in der Resistenza nahm sie einen Neuanfang. Eine Folge davon war 1946 die Einführung des Frauenwahlrechts in Italien.

hören

 

Das Ende der Hoffnungen. Der Niedergang der italienischen Linken. Deutschlandfunk, 2017

In den 60er- und 70er-Jahren war Italien ein Labor linker Kämpfe und linker Theorie. In Zeitschriften wie Quaderni Rossi und Classe operaia wurde der Marxismus neu gedacht und dem Ist-Zustand der Arbeiterklasse angepasst. Die Fabrikarbeiter probierten neue Streikformen aus und brachten den Klassenkampf auf die Straßen. 1968 schlossen sich ihnen Studenten und Intellektuelle an. Die Kommunistische Partei Italiens (PCI) hatte sich schon 1945 zur parlamentarischen Demokratie als italienischen Weg zum Sozialismus bekannt. 34,4 Prozent der Wahlstimmen erlangte die Partei bei den Parlamentswahlen 1976 – auch dank der Popularität ihres Vorsitzenden Enrico Berlinguer. In den 80er-Jahren wurde die außerparlamentarische Bewegung durch die Abspaltung bewaffneter Gruppen und die immer härtere polizeiliche Repression auseinandergetrieben. Und 1991 löste sich die PCI auf. Bei alledem ist das linke Volk Italiens nicht verschwunden, aber völlig desillusioniert. Die Aktivisten von damals setzen ihre einzige Hoffnung in die Kunst.

hören

 

Gefügsamer Revolutionär: Franz von Assisi und die Kirche. SWR2, 2016

Der Kaufmannssohn Francesco Bernardone gelobte 1207, fortan in Armut und nach dem Wortlaut des Evangeliums zu leben. Beides war der Kirche suspekt, weil es einer Anklage ihrer gar nicht frugalen Sitten gleichkam. Sie bekämpfte Armutsbewegungen und verbot Laien zu predigen. Franziskus jedoch predigte sogar Pflanzen und Tieren – er sah in allen Kreaturen einen Ausdruck Gottes. Dem Vorwurf der Ketzerei entkam er nur, weil er sich der Kirche unterwarf. Der Bruderschaft, die sich um ihn bildete, schrieb er freilich Regeln vor, die dem Vatikan missfielen: Die „Minderen Brüder“ oder Franziskaner sollten eine Gemeinschaft besitzloser Gleicher sein und von eigener Hände Arbeit und vom Betteln leben. Schon das Berühren von Münzen galt Franziskus als Sünde. Kein Wunder, dass der Papst von ihm die Niederschrift einer „entschärften“ Ordensregel verlangte. Dennoch wurde Franziskus zwei Jahre nach seinem Tode heiliggesprochen.

 

Fiore di campo. Deutschlandradio Kultur, 2016, von Lucia Ronchetti (Musik) und Aureliana Sorrento (Text)

Das Leben von Giuseppe Impastato war kurz. 1948 in eine sizilianische Mafia-Familie geboren, wandte er sich schon als Jugendlicher gegen die Cosa Nostra. Er propagierte den Kommunismus, organisierte Bauernproteste, schrieb Gedichte. 1976 gründete er den freien Sender ›Radio Aut‹ und persiflierte dort die Mafiabosse seiner Heimatstadt Cinisi. 1978 wurde er ermordet. Collage aus Radiomitschnitten, Gedichten und biografischen Szenen über einen mutigen Menschen. Fiore di campo nasce dal grembo della terra nera, fiore di campo cresce odoroso di fresca rugiada, fiore di campo muore sciogliendo sulla terra, gli umori segreti. Wiesenblume sprießt Im Schoß der schwarzen Erde Wiesenblume wächst Mit dem Duft frischen Taus Wiesenblume stirbt Und dunkle Säfte zerfließen in die Erde (Giuseppe Impastato) Textregie: Götz Naleppa Komposition: Lucia Ronchetti Mit: Tonio Arango, Stefan Kaminski, Eduardo Mulone Realisation: Lucia Ronchetti und Aureliana Sorrento Ton und Technik: Hermann Leppich, Gregorio Karman, Hannes Fritsch und Philip Adelmann Produktion: Deutschlandradio Kultur/Studio für elektroakustische Musik der Akademie der Künste Berlin 2016, Länge: ca. 49’20

DLF

 

Rebellion für Recht und Ordnung. Italien und die Fünf-Sterne-Bewegung. Deutschlandfunk, 2016

Als bei den letzten italienischen Nationalwahlen im Februar 2013 die Fünf-Sterne-Bewegung 25,55 Prozent der Stimmen für das Abgeordnetenhaus errang und somit besser als alle anderen Parteien abschnitt, erwischte das Ergebnis Politiker und Journalisten völlig unvorbereitet. Niemand hatte geglaubt, dass die offiziell erst 2009 gegründete Bewegung ein solches Resultat erzielen könnte. Nicht einmal deren Gründer, der Komiker Beppe Grillo. Seine Schimpftiraden gegen die politische Kaste Italiens, gegen Parteien und Brüsseler Technokraten hatten ihm den Ruf eines Populisten, Antipolitischen und Europaskeptikers eingehandelt. Unbekannte zogen als Fünf-Sterne-Abgeordneten und Senatoren in die italienischen Parlamentskammern. Heftige Polemiken über mangelnde interne Demokratie, Autoritarismus, Ausschlüsse und Austritte von Fraktionsmitgliedern haben die ersten zwei Parlamentsjahre der Neugewählten begleitet. Doch sind viele Italiener davon überzeugt, dass die Fünf-Sterne-Abgeordneten momentan die einzige Opposition gegen die neoliberale Politik der regierenden Großen Koalition darstellen – und die einzige Hoffnung auf ein Land, in dem die Gesetze für alle gelten, die Verwaltung funktioniert, und das nicht von korrupten Seilschafen regiert wird. Denn, so bilderstürmerisch sie sich auch geben, im Parlament sind die sogenannten Grillini vor allem als Verteidiger von Recht und Gesetz aufgefallen, als Kämpfer gegen Korruption und Verschwendung und für Transparenz der Verwaltung.

 

Die Wohnungsfrage. Ein europäisches Kreuz. WDR5, 2016

Ende 2015 haben die Internetportale Immowelt.de und Immonet.de durch eine Auswertung ihrer Mietwohnungsanzeigen herausgefunden, dass in vielen Großstädten Deutschlands etwa die Hälfte der Haushalte Anrecht auf einen Wohnungsberechtigungsschein hat, dass aber die erschwinglichen Wohnungen auf dem Markt nur für einen Bruchteil der Wohnsuchenden ausreichen. Das liegt vor allem am massiven Anstieg der Mietpreise – seit 2010 sind sie in Berlin im Durchschnitt um 45% gestiegen. In der Hauptstadt ist auch die Differenz zwischen tatsächlichen Mieten und der Obergrenze für angemessenen Wohnraum, die von den Sozialämtern akzeptiert wird, am größten. So konkurrieren 55% der Haushalte um 7,3% der Angebote. Wohnungsnot ist also auch in Deutschland ein dringliches Problem geworden.

In anderen europäischen Ländern, in Spanien und Italien etwa, ist die Schere zwischen Durchschnittseinkommen und Mietpreisen seit jeher exorbitant. Der Grund, weshalb viele Haushalte Hypothekenkredite aufnahmen, um eine Eigentumswohnung zu kaufen. Seit Beginn der Finanzkrise, in der Millionen Menschen ihre Arbeit verloren haben, wurden in diesen Ländern mehrere Hunderttausende aus ihren Wohnungen zwangsgeräumt – in Spanien aufgrund von Zwangsvollstreckungen, die der Europäische Gerichtshof für illegal erklärt hat. So sind Bewegungen entstanden, die durch verschiedene Methoden die Wohnungsnot bekämpfen und das Recht auf Wohnen reklamieren – in Rom, Madrid und zuletzt auch in Berlin. Eine Lageerkundung durch drei europäische Hauptstädte.

 

Der Rückkehrer. SWR2, 2016

Ziyad Younis kam 1980 zum ersten Mal nach Deutschland. Er war aus dem kurdischen Gebiet des Irak geflohen, wo er als Jugendlicher für die Unabhängigkeit der Kurden gekämpft hatte.

 

Arbeitssklaven in Kalabrien. Labor des Wegwerf-Menschen. Deutschlandfunk, 2015

Rosarno ist eine Kleinstadt im Süden Kalabriens, deren Wirtschaft seit jeher auf dem Anbau von Zitrusfrüchten gründet. Einst ein florierendes Städtchen, hat es seit den 70er-Jahren einen stetigen Niedergang erlebt. Denn irgendwann konnten die kalabrischen Orangen der billigen Konkurrenz aus dem Ausland nicht mehr standhalten.

Um zu überleben, haben die Orangenbauern Verträge mit transnationalen Handelsketten, Saft- und Getränkeherstellern wie etwa Coca-Cola geschlossen. Doch diese globalen Akteure diktieren die Preise auf dem Weltmarkt und drücken sie immer weiter nach unten. Die Orangenanbauer Kalabriens konnten nur überleben, indem sie bis heute vom Elend der Flüchtlingsströme aus Afrika und Osteuropa profitieren.

Die Einwanderer werden als Tagelöhner auf den Straßen Rosarnos angeheuert und schuften auf den Orangenplantagen für 20 oder 25 Euro am Tag. Wenn sie überhaupt bezahlt werden, und wenn sie überhaupt Arbeit finden. Vor allem die meist illegal eingereisten Afrikaner sind dem Gutdünken der Bauern ausgeliefert. Für den Soziologen Fabio Mostaccio sind sie der Prototyp des Wegwerf-Arbeiters, den die neoliberale Globalisierung verlangt.

Manuskript

 

Im Fadenkreuz. Kalabrien und die Ndrangheta. SWR2, 2014

Als der Priester Giacomo Panizza nach Kalabrien zog, gründete er ein Sozialprojekt für Menschen mit Behinderungen. Er wollte sich für Bürgerrechte und soziale Gerechtigkeit einsetzen. Aber in Kalabrien regiert die ‚Ndrangheta, und die diktiert ihre eigenen Gesetze. Seitdem eine seiner Kooperativen das konfiszierte Haus eines Clans bezogen hat, steht Don Giacomo im Visier der kalabrischen Mafia.

Um sein Leben bangen muss auch der Unternehmer Gaetano Saffioti. Er hat die Bosse angezeigt, die ihn jahrzehntelang erpressten; nun lebt er isoliert, von Kameras und Leibwächtern bewacht. Der Geschäftsmann Bentivoglio hat die Schüsse eines Mordkommandos knapp überlebt, doch er ist wirtschaftlich ruiniert. Aber es regt sich Widerstand, immer mehr Menschen sagen nein zur Herrschaft der ‚Ndrangheta.

hören

Militarisierung für den Wohlstand. Deutschlandfunk, 2014

Die Kriege der Zukunft werden Kriege in urbanen Ballungsräumen sein, weil bald die Mehrheit der Menschheit in Megastädten leben wird. Es werden „asymmetrische“ Kriege sein, die nicht gegen Heere, sondern gegen Terroristen und Aufständische geführt werden.

Warum sie geführt werden müssen, wird in „Perspektiven für die Europäische Verteidigung 2020“, einem Strategiepapier des Instituts für Sicherheitsstudien der Europäischen Union (EUISS), eingehend erklärt: Sie sollen den Welthandel sichern, von dem der westliche Wohlstand abhängt, und vor allem sollen sie den „Schutz der Reichen dieser Welt vor den Spannungen und Problemen der Armen“ gewährleisten.

Durch Welthandel und Technologie schrumpfe die Welt zu einem globalen Dorf, „das sich allerdings am Rande einer Revolution befindet. Während wir es mit einer immer stärker integrierten Oberschicht zu tun haben, sind wir gleichzeitig mit wachsenden explosiven Spannungen in den ärmsten Unterschichten konfrontiert.“ Auf solche Kriege bereitet sich die Europäische Union seit 1999 vor, als die europäischen Regierungschefs die Gründung einer eigenen Eingreiftruppe beschlossen.

Im Rahmen der Gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik (mit dem Lissabon Vertrag in Gemeinsame Sicherheits- und Verteidigungspolitik umbenannt) werden militärische und polizeiliche Zuständigkeiten zunehmend verwischt und Kapazitäten zur Bekämpfung von Aufständen aufgebaut. Offiziell geht es dabei um „asymmetrische“ Einsätze in Ländern außerhalb der Europäischen Union. Aber mit Art. 222 des Lissabon Vertrags hat man auch die rechtliche Voraussetzung für den Einsatz von Militärs und paramilitärischen Einheiten in EU-Krisenstaaten geschaffen.

 

Triest – Zwischen habsburgischer Vergangenheit und europäischer Zukunft. SWR2, 2014

Triest, heute die östlichste Stadt Italiens, war bis 1918 Teil der österreichisch-ungarischen Doppelmonarchie. In der Hafenstadt an der Adria lebten im Vielvölkerstaat der Habsburger neben der italienischen Bevölkerungsmehrheit u.a. Slowenen, Kroaten, Deutsche, Armenier, Serben, Griechen und italienische Juden. Ihr ebenso friedliches wie fruchtbares Neben- und Miteinander zerfiel im 19. Jahrhundert in Nationalismen und ethnische Konflikte. Nachdem Triest an Italien gefallen war, wurden die Minderheiten von den Faschisten zwangsitalienisiert. Heute blicken viele Triester nostalgisch auf die glanzvolle k.u.k.-Vergangenheit zurück, wollen sich von Italien lösen und fordern die völkerrechtliche Anerkennung ihrer Stadt als Freies Territorium. So, wie es der Pariser Friedensvertrag von 1947 vorsah.

 

Im Schatten heiliger Mauern. SWR2, 2013

Während des Pontifikats Benedikts XVI. wurde die Katholische Kirche von Skandalen überrollt. Durch die Vatileaks-Affäre wurden Intrigen und Korruptionsfälle innerhalb der Kurie publik. In der Vatikanbank IOR, dem so genannten „Institut für religiöse Werke“, wurden sowohl Einkünfte der Mafia wie auch Schmiergelder italienischer Politiker gewaschen.

Der Fall Abu Omar vor Gericht. Rekonstruktion eines staatlichen Kidnappings. Deutschlandfunk, 2013

Am 17. Februar 2003 wurde Osama Nasr Mostafa Hassan in der Via Guerzoni in Mailand entführt. Der als Abu Omar bekannte Prediger einer Maiuländer Moschee wurde verdächtigt, einem Terroristennetzwerk anzugehören und war deshalb von der Antiterror-Einheit der Mailänder Polizei verfolgt worden. Nachdem der mutmaßliche Terrorist verschwunden war, suchten die Anti-Terror-Polizisten unter der Leitung von zwei Mailänder Staatsanwälten nach dessen Entführern und kamen staatlich verbrieften Tätern auf die Spur. Abu Omar war von Agenten der CIA und der italienischen Militärgeheimdienste verschleppt worden, von der Air Force Base Aviano in Italien zur Air Force Base Ramstein in Deutschland und von dort nach Ägypten geflogen worden. Dort wurde er ägyptischen Behörden zur Vernehmung übergeben und monatelang gefoltert. Es ist der erste Fall von extraordinary rendition – wie die USA diese besondere Methode ihres Krieges gegen den Terror nennen – der der Weltöffentlichkeit in allen Einzelheiten bekannt wurde. Und der einzige, der einen wirklich außerordentlichen Ausgang nahm: das Mailänder Gericht verurteilte 23 CIA-Agenten, den Chef der italienischen Geheimdienste und vier seiner Mitarbeiter zu hohen Haftstrafen.

 

Silvio Berlusconi – Seelenfänger Italiens? SWR2, 2013

Er beherrschte zwei Jahrzehnte lang die italienische Politik, war viermal Ministerpräsident und regierte am längsten von allen Premiers der Nachkriegszeit. Viele Italiener sehen ihn als als Selfmademan und erfolgreicher Unternehmer, als „neuer Mann“ mit weißer Weste, und sie lieben ihn dafür. Dabei werfen ihm Kronzeugen vor, Geld der Cosa Nostra gewaschen und mit der Mafia-Organisation paktiert zu haben.

 

Allein gegen die Mafia. SWR2, 2013

Cinisi bei Palermo war in den 70er-Jahren eine Hochburg der sizilianischen Mafia. Giuseppe Impastato stammte aus einer Mafiafamilie und engagierte sich politisch gegen die Mafiosi. Am 9. Mai 1978 wurde er von der Mafia ermordet. Heute ist Peppino Impastato eine Ikone der Antimafia-Bewegung.

 

Im Namen des Volkes. SWR2, 2012

Immer wieder hat der EU-Menschenrechtsgerichtshof Italien verurteilt, weil Gerichtsverfahren dort zu lange dauern. Andererseits garantiert die italienische Verfassung wie kaum eine andere die Unabhängigkeit der Richter und Staatsanwälte vor politischer Einflussnahme. In Deutschland dagegen ist die Justiz nur scheinbar von der Politik unabhängig.

 

Im Fadenkreuz der EU-Retter. Italiens produktivste Zentren in Not. Deutschlandfunk, 2012

Montebelluna, eine Stadt mit 31000 Einwohnern in der Provinz von Treviso, war einst ein Musterbeispiel jenes Entwicklungsmodells, das den Nordosten Italiens zum produktivsten Zentrum des Landes gemacht hat.
Kleine und mittelgroße Handwerksbetriebe, deren hochwertige Produkte sich auch auf dem europäischen Markt durchsetzen konnten, und eine Unternehmenskultur, die auf beinah familiären Beziehungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern basierte, sicherten der Stadt Vollbeschäftigung und Wohlstand. 

Die Globalisierung führte auch hier zur Verlagerung der Produktion in Länder mit Niedrigstlöhnen und zur Schließung örtlicher Betriebe. Eine Entwicklung, die durch die von der EU erzwungene Sparpolitik der Regierung Monti verschärft wird. Wie andere Gemeinden auch kann Montebelluna weder überfällige Investitionen in die Infrastruktur tätigen noch die Rechnungen von örtlichen Auftragnehmern begleichen. 

Es ist absehbar, dass dies weitere Unternehmen in den Konkurs treiben und den Wirtschaftskreislauf zum Stillstand bringen wird. Da in Venetien in drei Jahren circa 50 Selbstmorde wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten registriert wurden, hat die dortige Handwerkskammer eine Beratungsstelle zur psychologischen Unterstützung kriselnder Unternehmen eingerichtet.

 

Kraftlos und Gespalten: Italiens Linke. SWR2, 2012

Wo bleibt der Körper in der neuen Medienkunst?, DRS2, 2011

 

Das „Quirra-Syndrom“. Ermittlungen über einen Nato-Schießplatz auf Sardinien, DLF, 2011

Der Staatsanwalt von Lanusei, einem Ort im Westen Sardiniens, ermittelt in einem heiklen Fall. Es besteht der Verdacht, dass auf dem größten NATO-Übungsplatz Europas, dem Schießplatz von Quirra auf Sardinien, unter anderem von der deutschen Bundeswehr Waffen gesprengt und getestet wurden, die abgereichertes Uran enthielten und das Gebiet rund um den Schießplatz verseucht haben.

 

Die Mafia und die Macht. Ein Kronzeuge sagt aus, SWR2, 2011

Massimo Ciancimino war jahrelang der Handlanger seines Vaters Vito Ciancimino – eines christdemokratischen Politikers, ehemaligen Bürgermeisters von Palermo und Freund des Mafia-Bosses Bernardo Provenzano. Vito verteilte öffentliche Gelder unter Mafiosi und Politikern und vermittelte bei Verhandlungen zwischen der Cosa Nostra und dem italienischen Staat. Vito Ciancimino starb 2002 – jetzt sagt sein Sohn aus: über das Leben seines Vaters, die Verquickung von Mafia und Politik in Italien und, last but not least, über das Verhältnis Silvio Berlusconis zur Cosa Nostra. Aus Cianciminos Zeugenaussagen lässt sich schließen, dass Berlusconis Partei Forza Italia als Handpuppe der Mafia entstanden ist. O-Töne: Massimo Ciancimino (it, darüber dt Übersetzung) Kronzeuge, ehemaliges Mitglied Mafia-Organisation Cosa Nostra und Leoluca Orlando, Leoluca (it, darüber dt Übersetzung), ehem. Bürgermeister Palermo, MdEP Italia dei valori.

hören

 

 

Die Geburt Italiens, SWR2, 2011

 

Die Schiffe der Gifte. Eine Recherche in Kalabrien, DLF, 2010

Panik herrschte in Cetraro, einem Dorf an der kalabrischen Westküste, als im vergangenen September ein Wrack gefunden wurde. Man hatte nach dem Schiff gesucht, nachdem der Mafioso Francesco Fonti gestanden hatte, er habe 1992 im Auftrag der Ndrangheta mehrere giftbeladene Frachter vor der Küste Kalabriens versenkt, darunter die „Cunski“, die radioaktiven Müll transportierte. Glaubt man dem reuigen Mafioso, liegen in kalabrischen Gewässern mindestens 30 Schiffe mit toxischem und radioaktivem Abfall, die von der Ndrangheta im Auftrag des italienischen Geheimdienstes Sismi „entsorgt“ wurden. Die italienische Regierung hat inzwischen dementiert, dass es sich bei dem gefundenen Wrack um die „Cunski“ handelt. Aber der Fund einen Krimi an die Oberfläche gespült, in dem nicht nur die Mafia und der italienische Staat eine dubiose Rolle spielen.

 

Kommt bald ein neuer Kommunismus?, DRS2, 2010

Charlottengrad. Das neue russische Berlin, DLF, 2009

Neapel und der Müll, NDR, 2008

Der Anarchist fiel aus dem Fenster der Kaserne, 1968 in Italien: Arbeiter, Studenten und faschistischer Terror, DLF, 2008

Transformation Text Theater. Dimiter Gotscheff und Heiner Müller, kulturradio rbb, 2008

Warum ein gut gefügtes Gehirn Verse produziert. DLF, 2007

Robert Walser in Berlin, kulturradio rbb, 2007

Der Dichter und die Stadt. Auf den Spuren des russischen Dichters Andrej Belyj in Berlin, kulturradio rbb, 2006