Aureliana Sorrento, JOURNALISTIN

Deutschlandfunk/Kunst

Die Kunst gehört nicht dem Künstler

Serie „Innenansichten mit“ dem Medienkünstler Costantino Ciervo

Diesmal nimmt uns der aus Neapel stammende Künstler Costantino Ciervo mit auf eine Erkundungstour durch seine Wahlheimat Berlin. Von seinem Wohnatelier im Prenzlauer Berg, geht es nach Kreuzberg, zu Ciervos alter Galerie in Charlottenburg und zu einer Ausstellungseröffnung des deutschen Künstlerbundes.

In dieser Sendung geht es mit dem Fahrrad quer durch Berlin, um wichtige Orte im Leben des Künstlers Costantino Ciervo zu besuchen. 1984 ist er mit 23 Jahren nach Berlin-Kreuzberg gezogen, wo er mit Freunden aus Neapel über dem Rockmusik-Club „Bronx“ wohnte. Sie seien in der linken außerparlamentarischen Bewegung, die in Italien der Studenten- und Arbeiterrevolte von 1968 folgte, aktiv gewesen, erzählt er. Aber das Projekt sei gescheitert. Für ihn war die politische Enttäuschung ein Grund, Italien den Rücken zu kehren. Hinzu kam, dass er als Lehrer in einer Jugendhaftanstalt hautnah erlebte, wie Korruption gesellschaftlichen Fortschritt verhinderte. „Und unter den vielen Zielen war Berlin die erste Adresse, weil in West-Berlin die politische Aktivität und das Leben überhaupt noch sehr aktiv war und die Stimmung unglaublich gut für kreative Arbeiter.“

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IP Internationale Politik/ Italien

Der dritte Dämpfer

Mangelnde Solidarität der EU in der Corona-Krise hat Italiens Europabegeisterung erneut einen Schlag versetzt. Wie lässt sich das verloren gegangene Vertrauen wiederherstellen?

Als China am 31. Dezember 2019 die Entdeckung eines neuartigen Corona-Virus bekannt machte, wiegten sich die Europäer in Sicherheit. Wuhan? Weit weg! Es schien, als habe man in Europa die Globalisierung missverstanden: Zwischen Asien und Europa hin und her jetten? Ja! Aber Viren – die würden schon zuhause bleiben.

Zu den Ländern, die am stärksten un- ter den Folgen dieser Fehleinschätzung zu leiden hatten, zählt in Europa, neben Spanien, Italien. Warum, darüber ist viel diskutiert und geschrieben worden: der frühe Zeitpunkt der Corona-Ausbreitung, die seinerzeit noch mangelnden diagnostischen Kenntnisse, der dezentrale Charakter des Gesundheitssystems, durch den es möglich ist, dass man in Venetien schon konsequent testet und isoliert, während in der Lombardei nicht einmal enge Angehörige von Infizierten getestet werden. Verheerend wirkten sich vor allem die Einsparungen im Gesundheitssektor während der vergangenen 20 Jahre aus. Öffent- liche Krankenhäuser wurden geschlossen, um Privatkliniken Platz zu machen, mit denen die Regionen Kooperationsverträge abschlossen.

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SWR2/ Geschichte

BerlinGeschichte einer Metropole

Berlin ist international für seine aufregende Party-Szene bekannt – und auch, weil sein Stadtbild so bunt und die Stadtviertel so verschieden sind. 

Die deutsche Hauptstadt ist eine Großstadt ohne wirkliches Zentrum. Erst vor 100 Jahren, am 1. Oktober 1920, entstand per Gesetz die Stadt in den heutigen Ausmaßen. Bevor die Goldenen 1920er-Jahre das Bild einer wilden Metropole prägten, war Berlin ein unübersichtliches Gebilde aus etlichen Kleinstädten, Landgemeinden und Gutsbezirken. Das Projekt Groß-Berlin sollte sie vereinen. Eine komplizierte Angelegenheit und politisch heikel.

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SWR2/ Zeitgeschehen/Libyen

Italien und Libyen – Erbe der Kolonialzeit

Die Beziehung zwischen Italien und Libyen ist traditionell eng. Auch im libyschen Bürgerkrieg, bei dem immer mehr Großmächte mitmischen, versucht Italien eine besondere Vermittlerrolle einzunehmen. Das hat mit der geografischen Nähe der beiden Länder zu tun – nur knapp 290 Kilometer Mittelmeer trennen sie an der engsten Stelle – aber auch mit Italiens Kolonialgeschichte.

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Perspective Daily/Literatur

Pest und Corona

Giovanni Boccaccios Decameron entstand, als in Europa der Schwarze Tod wütete. Heute hat das Meisterwerk aus dem Jahr 1352 wieder Konjunktur.

Als ich meine 4 1/2 Kilo schwere Decameron-Ausgabe aus dem Jahr 1909, einen braun gebundenen Wälzer mit gelbweißen, handgeschnittenen Seiten aus dickem Papier, von Rom nach Berlin schleppte, hätte ich mir nicht träumen lassen, jemals eine ähnliche Zeit zu erleben wie jene, in der dieses Meisterwerk von Giovanni Boccaccio entstand.

Ich hätte es nicht für möglich gehalten, dass ich eines Tages penibel darauf achten würde, um jeden Menschen, der mir auf der Straße begegnet, einen 2 Meter weiten Bogen zu machen. Dass ich jemals versuchen würde, nur die nötigsten Türklinken und sonst nichts zu berühren, was andere berührt haben könnten. Dass ich alles desinfizieren würde, was ich von draußen mit nach Hause nehme: Verpackungen, Lebensmittel, alles. Oder dass ich mir die Hände so lange waschen würde, bis die Haut so aussieht, als würde sie gleich abfallen. Noch vor einem halben Jahr hätte ich solche Verhaltensweisen für klare Anzeichen einer schweren Neurose gehalten, und ich wäre mir sicher gewesen, dass eine derartige meiner geselligen Natur immer erspart bleiben würde.

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Journalistin, Autorin, Radio-Macherin, Texterin – Aureliana Sorrento wurde an der Meerenge von Messina geboren, studierte in Rom Literaturwissenschaft, in Hannover Journalismus und zog als Dipl.-Journalistin 1999 nach Berlin. Heute arbeitet sie vor allem als Feature-Autorin für den deutschen öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Ihre Themen findet sie im politischen Alltag, in der Mitte und am Rande der Gesellschaft, im Zeitgeschehen, in Ermittlungsakten und Geschichtsbüchern. Eine Schwäche für die Literatur hat sie aber immer noch.