Geschichte/ Benito Mussolini. Aufstieg und Fall des Duce

Benito Mussolini ist als Gründer des Faschismus in die Geschichte eingegangen. Er diente Hitler und anderen Diktatoren als Vorbild. Sein Aufstieg zum Duce der Italiener verdankte er seiner politischen Wendigkeit – vom Sozialisten zum Vertreter elitärer Interessen.
Auf parlamentarischem Wege zur Macht gelangt, verwandelte Mussolini den Parlamentarismus in eine Diktatur und fand dafür Anerkennung in ganz Europa. Erst der Eintritt Italiens in den Zweiten Weltkrieg an der Seite der Nazis brachte ihn zu Fall. Am 28. April 1945 wurde der Diktator von antifaschistischen Partisanen hingerichtet.
SWR Wissen 2025
Italien/ Wie der Duce Italien heute prägt

Mit den Fratelli d’Italia, den „Brüdern Italiens“, unter Giorgia Meloni regiert seit 2022 eine postfaschistische Partei mit in Italien. Die Fratelli sind der direkte Abkömmling der Bewegung, die nach Mussolinis Tod das Erbe seines faschistischen Regimes bewahren und fortführen wollte.
Als Ministerpräsidentin ist es Meloni international gelungen, Sorgen über ihre faschistischen Einstellungen zu zerstreuen. In Italien aber schränkt ihre Regierung schrittweise Bürgerrechte ein. Sie will Italien in ein Präsidialsystem umzubauen.
SWR Wissen 2025
Geschichte/ 100 Jahre Großberlin – Berlin: Die Metropole, die kein Zentrum hat

Vor genau 100 Jahren ist Berlin per Gesetz zu der Stadt geworden, wie wir sie heute kennen. Eine Einheit ist sie nicht.
SRF 2020
Geschichte/ Berlin – Geschichte einer Metropole

Berlin ist international für seine aufregende Party-Szene bekannt – und auch, weil sein Stadtbild so bunt und die Stadtviertel so verschieden sind.
Die deutsche Hauptstadt ist eine Großstadt ohne wirkliches Zentrum. Erst vor 100 Jahren, am 1. Oktober 1920, entstand per Gesetz die Stadt in den heutigen Ausmaßen. Bevor die Goldenen 1920er-Jahre das Bild einer wilden Metropole prägten, war Berlin ein unübersichtliches Gebilde aus etlichen Kleinstädten, Landgemeinden und Gutsbezirken. Das Projekt Groß-Berlin sollte sie vereinen. Eine komplizierte Angelegenheit und politisch heikel.
SWR2 Wissen 2020
Geschichte/ Italien und Libyen – Erbe der Kolonialzeit
Die Beziehung zwischen Italien und Libyen ist traditionell eng. Auch im libyschen Bürgerkrieg, bei dem immer mehr Großmächte mitmischen, versucht Italien eine besondere Vermittlerrolle einzunehmen. Das hat mit der geografischen Nähe der beiden Länder zu tun – nur knapp 290 Kilometer Mittelmeer trennen sie an der engsten Stelle – aber auch mit Italiens Kolonialgeschichte.
SWR2 Wissen 2020
Großbritannien/Eine Kurze Geschichte des Britischen Parlaments

Regierung und Opposition sitzen sich auf Holzbänken gegenüber, der Speaker ruft immer wieder „Order!“ – das britische Unterhaus hat merkwürdige Sitten und eine fast tausendjährige Geschichte. Aus mittelalterlichen Königsräten wurde die „Mutter aller Parlamente“: Die Magna Carta beschränkte 1215 erstmals die Macht der Krone, das Parlament Simon de Montforts von 1265 gilt als Geburtsstunde der Volksvertretung.
Der Machtkampf zwischen Krone und Parlament zieht sich durch die Jahrhunderte: Charles I. versucht, ohne Zustimmung des Parlaments zu regieren und Steuern zu erheben, was 1642 zum Bürgerkrieg führt. 1649 wird er als erster und einziger englischer König vor Gericht gestellt und hingerichtet, kurzzeitig wird England zur Republik unter Cromwell. Mit der Restauration der Monarchie 1660 muss fortan jeder König mit dem Parlament zusammenarbeiten. Die „Glorreiche Revolution“ von 1688 besiegelt diese neue Ordnung endgültig: Das Parlament verdrängt James II. und bietet William III. und Mary II. die Krone förmlich an – die Monarchie existiert seither nur noch mit Zustimmung des Parlaments.
Bis heute wirkt dieser Machtkampf nach: 2019 lässt Boris Johnson das Parlament suspendieren, um einen No-Deal-Brexit durchzusetzen, und löst damit eine offene Verfassungskrise aus. Der Fall zeigt, wie sehr das Verhältnis zwischen den Staatsgewalten in Großbritannien bis heute auf Bräuchen und Präzedenzfällen statt auf einer geschriebenen Verfassung beruht.
SWR2 Wissen 2019
Zeitgeschichte/ Töten für die Revolution – oder auch nicht

Vor exakt vierzig Jahren wurde der italienische Politiker Aldo Moro, Vorsitzender der Democrazia Cristiana, entführt – und dann ermordet. Mit Folgen bis heute.
Er war auf dem Weg zum Parlament, als die Brigate Rosse zuschlugen, alle Leibwächter töteten und Aldo Moro entführten. Bis zum Tag seiner Ermordung, dem 9. Mai, blieb Aldo Moro in Gefangenschaft der Brigate Rosse, versuchte zu verhandeln, versuchte, seinen beträchtlichen politischen Einfluss auszunützen. Vergeblich.
Die Brigate Rosse hatten ihr Ziel erreicht, den historischen Kompromiss, der sich anbahnte, das Zusammengehen der Kommunisten und der Christdemokraten, zu zerschlagen. Eine Zeitenwende, die Italien bis heute prägt.
SRF 2018
Lidia Menapace, Partisanin
Geschichte/ Italienerinnen im Widerstand
Etwa 80.000 Frauen nahmen an der Resistenza, dem antifaschistischen Widerstandskampf in Italien, teil. Nicht nur versteckten sie Partisanen, versorgten sie mit Kleidung und Nahrung und pflegten Verletzte. Sie überbrachten auch Botschaften und Waffen an die Widerstandsbrigaden in den Bergen und versteckten Widerstandskämpfer in den Städten. 3.500 Frauen kämpften mit Waffen an der Seite der Männer.
Nach dem Krieg ließen sich die Partisaninnen nicht aus der Politik wegdrängen, sondern setzten sich für die Emanzipation der Frau in der männerdominierten italienischen Gesellschaft ein.
RBB Kulturradio 2018
Geschichte/ Was zählt, sind Taten. Frauen in der italienischen Resistenza
Ungefähr 80.000 Italienerinnen nahmen am antifaschistischen Widerstand teil. Lidia Menapace war Leutnant in der Resistenza, sie transportierte Sprengstoff und überbrachte Befehle von den Partisanenführern zu den Brigaden. Maria Lisa Cinciari Rodano agitierte schon im Gymnasium gegen den Faschismus, später organisierte sie aus dem Untergrund Demonstrationen. Luciana Romoli diente als Kurierin in Rom. Nach dem Krieg kämpften sie weiter für die Rechte der Frauen. Der Faschismus hatte der Frauenbewegung ein Ende gesetzt, in der Resistenza nahm sie einen Neuanfang. Eine Folge davon war 1946 die Einführung des Frauenwahlrechts in Italien.
SWR2 Leben 2017
Geschichte/ Die italienischen Partisanen, Hüter der Verfassung
Im Dezember 2016 haben die Italiener die von der Regierung Renzi vorgeschlagene Verfassungsreform in einem Referendum abgeschmettert. Das ist sicherlich auch der Organisation der italienischen Partisanen zu verdanken, die an der Kampagne gegen die Reform maßgeblich beteiligt war. Die noch lebenden Partisanen halten es für ihre Pflicht, die Verfassung Italiens, die aus dem antifaschistischen Widerstandskampf hervorgegangen ist, zu verteidigen. Nicht zufällig ist sie die progressivste Verfassung Europas. Denn die Mehrheit der italienischen Partisanen waren Kommunisten, Sozialisten, und Mitglieder der Brigaden „Gerechtigkeit und Freiheit“. Sie kämpften nicht nur für die Demokratie, sondern auch für ein gerechteres Land. Eine Hoffnung, die sich aus ihrer Sicht nicht erfüllte.
SWR2 Wissen 2017
Italien/ Triest – Zwischen habsburgischer Vergangenheit und europäischer Zukunft

Triest, heute die östlichste Stadt Italiens, war bis 1918 Teil der österreichisch-ungarischen Doppelmonarchie. In der Hafenstadt an der Adria lebten im Vielvölkerstaat der Habsburger neben der italienischen Bevölkerungsmehrheit u.a. Slowenen, Kroaten, Deutsche, Armenier, Serben, Griechen und italienische Juden. Ihr ebenso friedliches wie fruchtbares Neben- und Miteinander zerfiel im 19. Jahrhundert in Nationalismen und ethnische Konflikte. Nachdem Triest an Italien gefallen war, wurden die Minderheiten von den Faschisten zwangsitalienisiert. Heute blicken viele Triester nostalgisch auf die glanzvolle k.u.k.-Vergangenheit zurück, wollen sich von Italien lösen und fordern die völkerrechtliche Anerkennung ihrer Stadt als Freies Territorium. So, wie es der Pariser Friedensvertrag von 1947 vorsah.
SWR2 2014
Geschichte/ Die Geburt Italiens. Das Risorgimento
SWR2 Wissen
1968 in Italien: Feudalistische Zeiten
Frankfurter Rundschau 2008
Manche, die dabei waren, sagen, es sei nur ein Auslöser gewesen, der Zünder für soziale Kämpfe, die sich über die ganzen 70er Jahre hinzogen. Andere sagen, dass im Dezember 1970, nach dem Massaker auf der Piazza
Fontana in Mailand und dem Tod des Anarchisten Giuseppe Pinelli, der bei einem Verhör im Mailänder Polizeipräsidium mysteriöserweise aus dem Fenster fiel, alles zu Ende gegangen sei; was danach kam, sei vom Geist des Jahres ’68 weit entfernt gewesen. Andere noch setzen den Schlusspunkt im Frühjahr 1978, als Aldo Moro von den Roten Brigaden entführt, kurz darauf in einem roten Renault in der Via Caetani tot aufgefunden wurde: Da hatten die Brigadisten den Bezug zu anderen hunderttausend Militanten, die weiterhin auf der Straße für ein besseres Land kämpften, offenbar verloren, beschweren sich ehemalige Genossen.
Zeitgeschichte/ Der Fall Aldo Moro. Wie ein politischer Mord Italien veränderte

Am 16. März 1978 entführten Terroristen der „Roten Brigaden“ den italienischen Staatsmann Aldo Moro und ermordeten ihn nach 55 Tagen Geiselhaft. Sie übernahmen die alleinige Verantwortung für das Verbrechen, doch von Anfang an regten sich Zweifel. Denn die Politik Moros, der die Kommunistische Partei Italiens in eine Große Koalition einbinden wollte, war italienischen und US-amerikanischen Konservativen ein Dorn im Auge – wie auch den europäischen NATO-Verbündeten, den Israelis und sogar Sowjetbonzen. Der zweite Untersuchungsausschuss zu dem Fall kam zu dem Schluss, dass all diese Mächte die Mörder zwar nicht direkt gelenkt haben, sie aber doch zumindest gewähren ließen.
SWR2 Wissen 2018
Italien/ Der Anarchist fiel aus dem Fenster der Kaserne. 1968 in Italien
Das italienische 1968 war mehr als eine Studentenrevolte – es war der Auftakt zu einem jahrelangen, blutigen Ringen zwischen sozialen Bewegungen, Staatsapparat und neofaschistischem Terror. Seine Wurzeln reichen bis in die späten 1950er-Jahre zurück: In den Fabriken Norditaliens trafen ungebundene Arbeitsmigranten aus dem agrarischen Süden auf eine traditionsreiche, aber erstarrte Gewerkschaftskultur und lösten mit spontanen Streikformen wie dem „Streik nach Pfiff“ neue Konflikte aus. 1960 eskalierten Proteste gegen einen Parteitag der neofaschistischen MSI in Genua zu landesweiten Unruhen mit Todesopfern und stürzten die Regierung Tambroni – eine Generalprobe für das, was folgen sollte. Geheimdienste bereiteten in diesen Jahren sogar Putschpläne vor, um eine Regierungsbeteiligung der Sozialisten zu verhindern.
Ab 1967 breiteten sich Universitätsbesetzungen von Pisa und Turin über ganz Italien aus, begleitet vom „Thesen“-Papier der Universität La Sapienza, das die Lage der Studierenden als Klassenkampf definierte. Die Bewegung verstand sich explizit als Teil der Arbeiterbewegung und in Opposition zur offiziellen Kommunistischen Partei. Studierende und Arbeiter wurden wiederholt von Neofaschisten angegriffen,, die, wie sich später herausstellte, in engem Kontakt zu „umgeleiteten“ Geheimdienstabteilungen standen.
Im Frühjahr 1968 verschmolzen Studenten- und Arbeiterproteste: Streiks und schließlich der „Heiße Herbst“ 1969 mit der „Schlacht von Corso Traiano“ bei Fiat in Turin brachten Hunderttausende auf die Straße. Gleichzeitig begannen im Sommer 1969 Bombenanschläge auf Züge, die zunächst Anarchisten angelastet wurden. Den traurigen Höhepunkt bildete das Attentat auf der Piazza Fontana in Mailand am 12. Dezember 1969 mit 16 Toten. Der zu Unrecht verdächtigte Anarchist Pino Pinelli starb wenige Tage später unter ungeklärten Umständen bei einem Polizeiverhör – ein bis heute nicht aufgeklärter Fall, der zum Symbol einer „Strategie der Spannung“ wurde: Jahre später kam ans Licht, dass die Anschläge tatsächlich von Neofaschisten verübt worden waren, mutmaßlich mit Rückendeckung von Teilen des Staatsapparats und amerikanischer Geheimdienste.
Nach Piazza Fontana radikalisierten sich Teile der Bewegung, die Gewaltfrage spaltete zentrale Gruppierungen wie Potere Operaio und Lotta continua, aus denen später auch klandestine, bewaffnete Formationen hervorgingen. Zwischen 1969 und 1984 verübten neofaschistische Attentäter acht große Anschläge mit 149 Toten – bei nur zwei Verurteilungen. Die Arbeiterkämpfe brachten zwar 1970 mit dem „Statut der Arbeiter“ wichtige Rechte wie Betriebsräte und Kündigungsschutz, mussten aber immer wieder neu erstritten werden. Ihren endgültigen Schlusspunkt setzten 1980 die Massenentlassungen bei Fiat in Turin, mit denen Konzernchef Gianni Agnelli die organisierte Arbeiterschaft zerschlug.
Deutschlandfunk 2008
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